Selbst erlebt

"Zuhause ist der Ort, wo die Angst am kleinsten ist."

A.F. am Meer

Dass ich mit meinem Sohn und meiner Tochter nach Deutschland zurück wollte, war mir eigentlich schon lange klar. Aber wie sollte das gehen?

Meine Kinder sind in Italien aufgewachsen. Von ihrem Vater habe ich mich vor sieben Jahren getrennt - kurz nach der Geburt unserer Tochter.

Ich lebte also als alleinstehende Mutter in Italien, ich verlor meinen Job als Kunsthistorikerin und arbeitete wieder in meinem alten Beruf als Krankenschwester.  
Wir kamen gerade so über die Runden.

Das große Hindernis für meine Rückkehr nach Deutschland war der Vater meiner Kinder. Er wollte unseren Sohn nicht gehen lassen. Ich wollte die Geschwister nicht trennen.

Als auch mein Sohn, der heute 16 ist, nach Deutschland gehen wollte, willigte sein Vater schließlich ein - allerdings zu inakzeptablen Bedingungen: Er verlangte, dass die Kinder ihre gesamten Schulferien in Italien verbringen sollten. An den Reisekosten wollte er sich nicht beteiligen.

Wir mussten einen Anwalt einschalten, um eine Regelung zu finden, mit der wir alle leben können.

Im Juni 2012 haben wir Italien verlassen und sind zu meiner Mutter nach Bremen gezogen. Meine Kinder fühlen sich hier wohl und leben sich gut ein. Ich habe sofort angefangen zu arbeiten, bei einem Hauspflegedienst.

Finanziell ist unser Leben derzeit noch eine ziemliche Katastrophe, aber ich bin froh, dass ich zurückgekommen bin. Ich habe einige meiner alten Freunde wiedergefunden und versuche, meine Rückwanderung nicht als Scheitern zu betrachten - was mir noch nicht ganz gelingt.
Aber die Jahre in Italien und der Neuanfang in Deutschland haben mich und meine Kinder gestählt. Unsere Überlebenskräfte sind gewachsen!

Ich weiß nicht, wie ich den Sprung nach Deutschland ohne die Beratung des Raphaelswerkes geschafft hätte. Ich brauchte Antworten auf ganz konkrete Fragen: Wie kann ich die Rückwanderung beim Vater durchsetzen? Wie machen andere Familien so etwas? Meine Beraterin, Frau Banisch, hat mit mir lange Telefonate geführt. Sie hat mir beigestanden, ganz praktisch - und vor allem menschlich. Am Tag vor dem entscheidenden Gespräch hat sie mir Mut gemacht.