Selbst erlebt

Sieben Jahre in Neuseeland sind genug

Es war damals nicht so, dass ich unbedingt aus Deutschland weg wollte, ich fand es dort nie schrecklich oder schlecht. Und Neuseeland war auch nicht das Land meiner Träume. Ich bin überhaupt kein Outdoor-Typ!
Es hat sich einfach so ergeben:
Als ich an meiner Diplomarbeit schrieb, lernte ich einen Neuseeländer kennen.
Ich wollte nach dem Studium ohnehin ins Ausland, mir ein bisschen die Welt ansehen, also bin ich nach Neuseeland gegangen, zuerst nur für zwei Monate, aber dann habe ich meinen Aufenthalt immer wieder verlängert.
Fast sechs Jahre habe ich in Tauranga gelebt, einer Stadt auf der Nordinsel. Die Beziehung zu meinem Freund war nach drei Jahren endgültig beendet, aber ich bin geblieben, habe ein Café gemanagt, viele Leute kennengelernt, Freunde gefunden.
Vor fast einem Jahr bin ich dann nach Auckland gezogen, dort arbeite ich jetzt als "Immigration adviser", ich berate also Menschen, die nach Neuseeland einwandern möchten. Der Job ist interessant, aber ich sitze acht Stunden täglich am Computer in einem Büro - das habe ich eigentlich nicht gewollt. Ich habe Pädagogik studiert, ich wünsche mir eine lebendigere Arbeit.

Aber das ist nicht der Grund, warum es mich nach Hause zieht.
Der Grund ist die Familie: Die Eltern, meine Schwester, meine Cousinen, meine Tanten - und meine kleine Nichte, die jetzt bald drei wird. Jedes Familienfest findet ohne mich statt, ich bin all die Jahre nie dabeigewesen. Ich möchte wieder teilhaben an diesem Familienleben.

Ich bin jetzt 33 Jahre alt, aber ich habe in Deutschland bisher kaum gearbeitet. Wenn ich auf dem Arbeitsmarkt noch eine Chance haben will, muss ich jetzt loslegen.
Durch meinen Job als Einwanderungsberaterin kenne ich mich zwar bestens damit aus, was Immigranten in Neuseeland alles bedenken und organisieren müssen - aber was deutsche Rückkehrer tun und wissen müssen, davon habe ich gar keine Ahnung!
Gut, dass ich mich an das Raphaelswerk wenden kann, der erste Kontakt war toll, sehr freundlich, ich bekam sofort eine Antwort auf meine Mail.

In einem halben Jahr werde ich zurückkommen, das ist der Plan. Es gibt in Frankfurt eine Wohnung, die meiner Familie gehört, da kann ich erstmal unterkommen, ich stehe also nicht auf der Straße - und verhungern werde ich auch nicht!
Trotzdem ist mir ein bisschen mulmig - als Berufsanfängerin mit 33!
Ich habe hier mittlerweile eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis, ich könnte also auch wieder zurück, aber ich denke, wenn ich jetzt meine Koffer packe, dann war es das mit Neuseeland.
 
In den letzten sieben Jahren sind mein gesamter Urlaub und mein ganzes Geld immer für die Deutschlandreisen draufgegangen. Ich freue mich darauf, dass das wieder anders wird, weil ich gern auch noch vom Rest der Welt etwas sehen möchte!