Selbst erlebt

Gomera - Elbe

Von Sonne und Meer wird man nicht satt!

BS erzählt:

Ich hatte mich während eines Urlaubs auf Gomera verliebt und war schwanger. Also bin ich 1996, kurz nach der Geburt unseres Sohnes, auf die Insel ausgewandert. Ich mochte die Sonne, die spanische Sprache und das Meer. Mein Freund hatte ein kleines Wanderunternehmen.

Eine Frau in sommerlicher Kleidung steigt Stufen am Strand hinauf. Neben ihr liegt ein kleines Boot. Die Sonne scheint.Foto privat

Ich habe das Büro organisiert und mich um unseren Sohn gekümmert. Später fand ich einen Job im Tourismus. Leider haben wir uns dann getrennt.

Danach habe ich immer mal wieder überlegt, nach Deutschland zurückzukehren. Aber mein Sohn sollte nicht ohne Vater aufwachsen. Und so bin ich geblieben. Nach und nach habe ich auf Gomera Freunde gefunden, auch unter den Einheimischen. Die Insel wurde mein Zuhause. Trotzdem war mir klar: Ewig wollte ich nicht bleiben. Dafür ist die Insel zu eng, es gibt wenig Anregungen, keine kulturellen Angebote. Die Wirtschaftskrise hat mir dann die Entscheidung leicht gemacht. Es kamen weniger Touristen nach Gomera und ich wurde arbeitslos. Mein Sohn hatte gerade Abitur gemacht. Seine Aussichten, auf Gomera einen Ausbildungsplatz zu finden, waren schlecht. Wir beschlossen: Unsere Zukunft soll in Deutschland sein. Das hat vor allem meine Eltern sehr gefreut. Mein Sohn ist ihr einziges Enkelkind! Über eine Bekannte lernte ich das Raphaelswerk kennen. Sie wollte auch nach Deutschland zurückkehren, hatte sich per E-Mail beraten lassen. Sie wusste deshalb, was wir an Formularen für die deutschen Behörden brauchten. Das hat uns sehr geholfen. In Hamburg kam ich bei einer Freundin unter. Mein Sohn sollte später nachkommen.

Und wieder hat mir das Raphaelswerk geholfen. Frau Banisch, meine Beraterin, riet mir auch, schnell einen Termin beim Jobcenter zu machen, da ich ja arbeitslos war. Dann fingen die Probleme an: Ich hatte Geld für den Anfang in Deutschland gespart. Nicht viel. Aber zu viel, um Anspruch auf Sozialleistungen zu haben! Deshalb bekam ich am Anfang überhaupt keine Unterstützung. Außerdem auch keinen Termin für eine Arbeitsberatung. Ich suchte vergeblich nach einer Wohnung...

Ich wurde krank. Ich hatte einfach keine Kraft mehr. Damals hätte ich nochmal mit Frau Banisch sprechen sollen, sie hätte mir bestimmt helfen können. Neulich hat sie mich angerufen und wollte wissen, wie es mir geht.Ich sagte: Langsam läuft es besser. Mein Sohn lebt jetzt auch in Hamburg zur Untermiete. Ich habe endlich eine Wohnung für uns gefunden, in die wir bald einziehen können. Nur ein Job, der fehlt noch. Der Start hier war schwerer als ich dachte. Trotzdem: Ich genieße das Gefühl, wieder in einer großen Stadt voller Möglichkeiten zu leben.